stadtfisch

cover stadtfischflex stadtfisch ist weniger eine Band als vielmehr ein konzeptionelles Gesamtprojekt, eine Mischung zwischen Musik und Performance-Kunst und Filmproduktion. Der alte Mythos vom Künstler wird rekurriert. Ohne Beschränkung und Vorurteil, ohne Formeln und historische Referenzen, sondern nur mithilfe der "Vision mit ihrer eigenen Ausdruckskraft", die sich darauf versteht, Welten aus dem Nichts zu erschaffen, und die gleichzeitig noch den Faktor Lebendigkeit als aktuelle Währung künstlerischer Produktion in den Ring wirft. Musik, Aktion, Performance und Videoinstallationen sind Konsequenzen einer Kunsttheorie, die in einer befreiten Kunstpraxis wie DADA und FLUXUS zu finden ist.

Performance und Aktion bezeichnen im Allgemeinen eine theatralische Vorführung ohne Mitwirkung des Publikums, während stadtfisch die Zuschauer miteinbezieht. Grundelemente sind: Rhythmus, Raum, Spontanität, Sprache, Geräusch. Die visuell-akustische Erlebnisfähigkeit bildet den Kern der künstlerischen Arbeit von stadtfisch. Fortschritt birgt auch die Gefahr eines Fort-Schreitens, weg von bisherigen Wahrnehmungsmustern in sich. Die digitale Evolution täuscht darüber hinweg, dass zu ihrer Nutzung im Sinne einer menschlichen Weiterentwicklung genau diejenigen analogen Fähigkeiten kultiviert werden müssen, die sie vorgibt zu ersetzen..


stadtfisch - Biographie Uwe Bastiansen

Uwe Bastiansen, Hamburg, Tonkünstler, Musiker und Filmemacher

bis 1987
Nach seiner Kindheit entdeckte er als Jugendlicher das erste Mal (1976) den Punk. Die Hochphase der Glamrock-Epoche war vorbei und seine Ansichten änderten sich. Die Anfangszeit war von "neuen" Bands und Künstlern geprägt. Erst war es der Spaß, dann kam das Finden der Grenzen. Er entwickelte sehr schnell seine eigene Definition "Kunst ist etwas anderes als die ‚Mona Lisa’". Geschichte war uninteressant geworden. Aber, anders als im Klischee des Punks das "Jetzt", wurde das, was noch kommen würde, das eigentlich Interessante für ihn.

Als Punk musste man als Erstes Musik ablehnen, in der endlose Soli diverser Instrumente und endlos erscheinende Lieder verharren. Also "Krautrock". Bands wie "Jane", "Guru Guru" und "Can". Anders sah es aus mit "Kraftwerk". Synthesizer waren im Kommen. Auch in der "Neuen Deutschen Musik" (wohlgemerkt: nicht "Neue Deutsche Welle") gab es eine Wirkung - insbesondere die Nutzung als Sequenzer ("DAF"). Dazu Texte wie in "Tanz den Mussolini" - direkt, verwirrend und kurz. Und dazu gab es natürlich auch massive Skandale durch diese Provokation. Konsequentes Handeln beeinflusste seine musikalische Evolution nachhaltig.

Nach ersten unbeholfenen und naiven Versuchen entstand seine erste, eigentliche Band. "Mask For". Sie bestand aus ihm, Sänger Michael Seidler, dem ehemaligen Schlagzeuger der Agit-Punk-Band "Slime", Stephan Mahler und dem Bassisten Oliver Sander. Plötzlich gab es verrückte Konzerte und die erste Veröffentlichung einer Langspielplatte. Diese wurde zum größten Teil durch den Verkauf der eigenen Instrumente finanziert. "Spex"-Autor Michael Ruff schrieb über Mask For: "Sie schreiben Stücke, keine Songs".

In Zusammenarbeit mit Guiseppe Gagliano und Lothar Mattejat ("Trash-Center Altona") wurde kurzfristig eine Galerie namens "Mask For - Vision" eröffnet. In einer Ausstellung wurden Unmengen entwerteter Geldscheine "den Geiern zum Fraß vorgeworfen".
Mit dem Kennenlernen des New Yorker Politpunks Pete Missing gab es eine weitere Variante: "Missing Foundation". Diese Band verstand sich als eine Art der direkten, politischen Opposition. Meinung wurde rausgeschrien, Trash und Chaos sprengten jeglichen Rahmen. Daraus entstanden weitere ungewöhnliche Verbindungen. So spielte er bei KMFDM (frühe Form des "Industrial") und dem von Marc Chung ("Einstürzende Neubauten") zusammengestellten Projekt eines Bassorchesters, ausschließlich aus 7 Bassisten bestehend.

1987 gründete er mit Freunden ein eigenes Label "GAP-Records". Es war ein weiterer Versuch, eine "Lücke" zu finden. Er verdingte sich unter anderem als Tourmanager, wo er die schwedische Band "The Leather Nun" kennen lernte. Daraus entstand eine langjährige Partnerschaft mit dem Göteborger Gitarristen Nils Wohlrabe. Eine ungewöhnliche Art des "Noise", in der durch extreme Verzerrungen und wahre Feedback-Orgien das "Durchschnittliche" durch Klänge veredelt wird.

1987 bis 2000
1987 kam es zum Neustart von "Mask For". Zusammen mit Nils Wohlrabe, dem Gitarristen Frank Markendorf, dem Bassisten Gisbert Kellersmann ("Abwärts") und Harry Cain wurde ausgiebig durch Europa getourt.
1987 lernte Uwe Bastiansen auch Frank Ziegert, den Gründer der experimentellen Punkband "Abwärts", kennen. Kurzerhand stieg Uwe B. in die neue Abwärts-Formation ein. Außerdem waren noch F.M. Einheit ("Einstürzende Neubauten"), Michael "Elf" Maier ("Slime"), Jochen Hansen ("Rio Reiser") und Frank Seele dabei. Es entstanden neben provozierten Skandalen (Totenkopf-Bunny; 100.000,-DM Unterlassungsklage von "Playboy") auch eine Vielzahl von Tonträgern. Für das 1993 erschienene Album "Herzlich Willkommen im Irrenhaus" schrieb er noch einige Stücke, stieg aber vor deren Veröffentlichung aus.

Ende 1992 entstand stadtfisch zusammen mit der Hamburger Künstlerin Irina Frederich, mit der er bis heute immer wieder zusammenarbeitet, und immer wieder neuen, wechselnden Besetzungen. So spielten in der ersten Version neben Nils Wohlrabe der brasilianische Bassist Ronaldo Nascimento und Heinz Lichius am Schlagzeug erstmals Musiker aus dem Jazz- und Funkbereich mit. Es ergab sich dadurch erneut eine Möglichkeit, verschiedene Kunst- und Musikstile in ungewöhnlicher Form miteinander zu verbinden.

Um diese Klänge in einem professionellen Studio festzuhalten und zu bearbeiten, arbeitete Uwe Bastiansen im Hamburger M.O.B.-Studio unter der Leitung von Horst Siewert aka "Blank Fontana" als Toningenieur und Produzent. Zusammen mit ihm ergaben sich weitere Möglichkeiten. Mit Siewert, dem Künstler und Textautor Moishe Moser ("The Real Moi") und Chrissie de Winter ("KMFDM") erweiterten komplizierte Popklänge seinen Horizont. Bläser, klassische Instrumente und eine ausgereifte Sampletechnik produzierten einen Sound des soliden Pops.

Nebenbei spielte Uwe Bastiansen kurzzeitig bei "The Sisters of Mercy" mit und fing damit an, Filmmusik zu schreiben. Als Beispiel dafür gilt der Film der Regisseurinnen Veronika Kirchgatterer und Isabel Skalska "Metallene Bilder". Ebenso gab es die ersten ungewöhnlichen Performances. So spielte er beispielsweise während einer Ausstellung mit einem, an einem Gummiband über den Köpfen der Zuschauer "schwebenden" Verstärker.

Er stieg auch in die Band "Station 17" ein, die fast ausschließlich aus körperlich und geistig behinderten Menschen bestand. Es gab eine Vielzahl von Konzerten in Europa. Das Publikum war anders, als er es vorher kannte: andere Behinderte, deren Betreuer und kulturell Interessierte ohne einen direkten Bezug zur Musik. In dieser Zeit entstanden 2 TV-Dokumentationen, die zum Ausdruck bringen, wie weit die "normale Welt" von der "normalen Welt" der Behinderten noch entfernt ist.

2000 bis 2008
Er lernte den Schlagzeuger Muck Giovanett ("Happy Grindcore") kennen. Beide wollten etwas anderes als die, auch in alternativen Kreisen übliche und angesehene Musik machen. Sie ignorierten mit voller Absicht den 4/4tel-Takt. Dadurch, dass andere Musiker hierfür nicht zu mobilisieren waren, drehten sie den Spieß um. Ein weiterer Stützpfeiler war auch das Equipment. Sie benutzten keine Verstärker, spielten instrumental und auch Monitorboxen waren nicht nötig. Sie spielten einfach mit Kopfhörern, welches zu einer extremen Unabhängigkeit führte. Einige Auftritte waren "Kopfhörerkonzerte" - das Publikum musste einen Kopfhörer aufsetzen, um die Musik zu hören. bagio spielte fast immer NICHT auf der Bühne. Lieber in der Mitte des Publikums, in Schaufenstern, an Straßenkreuzungen und in Kellerräumen. Sie spielten nachmittags auf einem Kinderfest und am gleichen Abend auf dem "Avantgarde-Festival". Ihre Konzerte waren immer einmalig.

Überraschenderweise nahmen viele internationale Künstler wie Danielle de Picciotto, die Sängerin der "Slits"- Ari Up, Matthias Schuster ("Geisterfahrer"), dem niederländischen Experimentalgitarristen Lukas Simonis und der Hamburger Taikotrommelerkapelle „PTP" an der Idee einer ungewöhnlichen Remix-CD teil. Als weitere Variante wurden über die Musik hinaus auch Bilder und Fotos hierzu entwickelt.

2008 bis heute
Bei einem nicht angemeldeter bagio-Auftritt auf dem "Avantgarde-Festival" kam es zu einer weiteren, für ihn wichtige Bekanntschaft: Jean-Hervé Péron, einem Gründer der Krautrocklegende "Faust". Die Perfektion von bagio traf auf das Chaos des "art-Errorist" Péron. Er wurde eingeladen, mit Zappi Diermaier (Schlagwerk und Flex), dem Keyboarder James Hodson, dem Gitarristen James Johnson ("Nick Cave") und der irischen Künstlerin Geraldine Sayne in der Band "Faust" mitzuspielen. Auftritte, bei denen mit "Kettensägen" und "Betonmischern" eine ungeheure Wucht an Energie im Chaos endeten, waren faszinierend für ihn. "Es geht also doch, eine Art "Punk" zu finden, der nicht "Punk-Rock" ist." Dieses "Aufsprengen" der engen Grenzen in Musik und Kunst fügte sich zu einem multimedialen Gesamtwerk zusammen. Aus einem legendären Konzert in Paris, im "Point Éphèmére", machte er seinen ersten Kino-Dokumentarfilm, "le piano fatigué". Und obwohl er seit diesem Konzert ein lebenslanges Auftrittsverbot dort hat, veranstaltete er die Premiere dieses Films an genau diesem Ort.

Im Zeitraum von 3 Jahren lernte Uwe Bastiansen eine Fülle an Musikern kennen, die im weitesten Sinn "Avantgarde" machen. Er spielte u.a. mit Eberhard Kranemann ("Kraftwerk", "Neu"), Jutta Weinhold ("Jane"), Damo Suzuki ("Can") einzelne Konzerte. So kam es zu Bekanntschaften, die ihn auf die aktuelle Idee von "stadtfisch" brachten. "stadtfisch" ist ein Gesamtkunstwerk, welches "stadtfischflex" und "stadtfischfilm" umfasst. "stadtfischflex" sind "stadtfisch" Uwe Bastiansen und sein "flexible orchestra", auf der ersten Veröffentlichung aus dem Engländer Geoff Leigh ("Henry Cow"), dem Österreicher Zappi Diermaier ("Faust"), den Franzosen J.-H. Péron ("art-Errorist") und Cathy Heyden ("Urban Sax"), den Italienern Diego Pandiscia ("Underdog") und Diego Vinciarelli ("Chaos Physique") und Sebastian Nagel ("The Ape") bestehend. Hinzu gesellte sich neben Tim Hodgekinson ("John Zorn", "Fred Frith") erneut auch Irina Frederich, die für das entsprechende Artwork sorgte. Das Album wurde live, ohne vorherige Absprachen und Übungen an einem einzigen Tag aufgenommen. Danach benötigte er mehr als 3 Monate, um das gesamte in eine "hörbare" Form zu bringen.

2009 machte er im Zuge des Deutschen Kurzfilmfestival eine fast 2-monatige Performance-Tournee durch China. Neben Auftritten in Museen, Galerien und auf Dorffesten spielte er auch an Universitäten. In Hong He bekam er eine Ehrenprofessur dafür, dass er den Studenten erklärte, wie man "atonale" Musik als Teil des Gesamtklangs verwertet. Trotz der besorgten Augen der Professoren, die befürchteten, er könne die zur Demonstration verwendeten Flügel ähnlich wie in seinem Film "le piano fatigué" einfach zerstören (was er nicht tat).

Beeinflusst durch diese Erlebnisse plant er jetzt, darüber seinen nächsten Film "sack über kopf nach china" zu drehen. Er wurde verzaubert von den Geschehnissen, die ausschließlich spontan waren. Und es ist ihm wichtig zu zeigen, was sich für eine Spannung in den Augen beider Parteien (Uwe Bastiansen als Solo-Künstler und dem Publikum) widerspiegelt. Neben dem neuen Film arbeitet er auch an der zweiten "stadtfischflex" Veröffentlichung. Ebenso wie an Livevertonungen von chinesischen Kinofilmen (z.B. "Die rote Frauenarmee") mit der Hamburger Musikerin "Xyramat", die aus dem Bereich der Computer-, Noise- und Soundmusik kommt.

Veröffentlichungen:

 Band/Projekt Vinyl/CD/DVD Titel Jahr
       
 Mask For Vinyl "Mask For" 1984
  CD "All the world´s a stage" 1992
       
Missing Foundation DVD "Video Collection" 1984/2010
       
 stadtFisch CD "Puls" 1993
  CD "Willkommen daheim" 2001
  Maxi-CD "Neuronic Org./stadtfilet" 2005
  Maxi-CD "Neuronic Org./deconstadtfisch" 2005
       
 stadtfischflex Mini-CD "tanz den deutsch.l.a.n.d." 2011
  CD/Vinyl "stadtfischflex" 2011
  7"-Vinyl "deutschland.e.d.i.t." 2011
  CD "Re:" 2013
  CD "Report" 2014
  CD "es tut mir alles so leid XXL" 2014
       
 bagio CD "Unterm Durchschnitt (I)" 2005
  CD "Gestern" 2005
  CD "Es geschah im Mai" 2005
  Maxi-CD "Neuronic Org./bagio" 2005
  DVD "Videos" 2005
  CD "II" 2006
  CD/Video CD "I", "II" und Live-Clips nur für Bücherhallen 2007
  Video-CD "Live-Clips" 2006
  CD "Intermezzo" 2007
  Maxi-CD "Neuronic Org./precore" 2007
  CD "remix" 2008
       
 Abwärts Mini-LP "Mehr Alkohol" 1988
  Maxi-Vinyl "Die Zeit" 1989
  CD/Vinyl "Ich seh´ die Schiffe den Fluss herunterfahren" 1990
  7"-Vinyl "Sonderzug zur Endstation" 1990
  Maxi-CD "Vorsicht" 1991
  CD/Vinyl "Comic-Krieg" 1991
  Doppel-CD "Breaking News" 2006
  DVD "Glam Slam" 2008
       
 Station 17 CD "Genau so" 1993
       
 Twin Planets CD "Pleasure, wisdom & revelation" 1994
       
Think Big CD "And she still" 1995
       
Jaildog CD "Punkrock, HipHop and other obscure stories" 1995
       
 The portable Kingdom CD "The portable Kingdom" 1998
  Maxi-CD "boy beats boy" 1999
       
 Faust DVD "christian´s edition" 2008
  CD "Schiphorst 2008" 2008
  CD "Festival Avantgarde" 2008
  Doppel-CD "Faust 2008" 2008
  Vinyl "10" 2012
  CD
"Oslo Rockefeller 2009" 2016
  CD
"Utrecht 2015" 2016




 Heinz Rudolf Kunze CD "Meisterwerke:Verbeugungen" (Track: "Der Mussolini")
2016




 Compilations Doppel-Vinyl "Song and Legend" 1987
  CD "Nazis raus!" 1991
  CD "Godfather´s of German Gothic" 1995
  Doppel-CD "Notes from the real Underground" 2003
  CD "Neuronic Org./from the inside" 2005
  CD "Neuronic Org./from the inside" 2007
  CD "Ox 72" 2007
  CD "The Ocean/Fake Magazine" 2007
  CD "Electro Arc 2" 2007
  CD "Kraut 4 Ever" 2009
  DVD "Kraut für Ewig" 2009
  CD
"Bargraft Festival Live" 2011
  Vinylbox
"Analog Love In Digital Times" 2011
  Download "CLASSWAR Karaoke" 2012
  CD
"Transzendieren Exzess Pop" 2013
  CD
"Fidel Bastro 20/A" 2013
       
stadtfischfilm DVD "le piano fatigué" 2010

DVD Kurzfilm "sack über kopf nach china" 2012